|
|
Blumen – Warum sie duften und stinken
Stand: 21.03.2012
Blumenfarben als Signal Rot, gelb, blau, lila – wenn die ersten Blumen im Frühling blühen, dann nicht um uns Menschen zu gefallen. Die Farbenpracht soll Bestäuber anlocken. Um nämlich neue Samen verteilen zu können, braucht eine Blume jemanden, der Pollen von Blüte zu Blüte trägt. Bei uns in Europa erledigen vor allem Bienen, Hummeln, aber auch Schmetterlinge den Job. Durch die Farben und den Duft können sie die Blüten schneller finden.
Grüne Blüten sind deswegen eher schlecht um Bestäuber anzulocken. Sie würden nicht genug auffallen, weil ja die Blumenblätter schon grün sind. Auch braune und schwarze Blüten gibt es selten.
Blütenvorlieben der Bestäuber
Verschiedene Insekten und Bestäuber haben unterschiedliche Farbvorlieben. Rot und andere Papageienfarben gefallen zum Beispiel Vögeln und Kolibris. Die sind im Regenwald unterwegs um Blüten zu bestäuben. Weiß kommt bei Pflanzen vor, die in der Nacht blühen und Nachtfalter anlocken sollen. Blau würde nicht genug auffallen. Bienen mögen viele Farben: gelb, blau, violett ...
Durch die Augen der Biene
Bienen und Schmetterlinge sehen allerdings anders als Menschen. Sie erkennen mit ihren Insektenaugen auch Licht im ultravioletten Bereich. Deswegen können sie auch Farben sehen, die wir zum Beispiel nur noch als Wärme spüren. Was für uns gelb ist, nehmen sie stattdessen als "Bienenpurpur" wahr. Und intensives Rot fällt ihnen gar nicht wirklich auf, es wirkt für sie viel dunkler, fast wie schwarz.
 |
 |
 |
|
Ein Monarchfalter auf einer weißen Blüte.
|
 |
 |
 |
Obwohl Bienen, Hummeln und Schmetterlinge viele Blüten mögen: Dunkelbraune und schwarze finden sie nicht gut. Braune Blüten gibt es trotzdem ab und zu – aber eher dann, wenn die Pflanzen keine Bestäuber brauchen. Dann macht die Arbeit der Wind. Oder wenn die Blüten ganz besondere Gäste anlocken möchten: Manche Fliegenarten mögen vergammeltes Fleisch und legen ihre Eier auf Pilze. Und wenn Pflanzen sich so tarnen und auch noch stinken, dann kommen auch diese Gäste. Mit süß duftenden rosa Blüten hätten solche Pflanzen keine Chance. Wie Blütenfarben entstehen Welche Blütenfarbe eine Blume später hat, das ist schon in ihrem Erbgut, also im Samen festgelegt. Mit verschiedenen Farbstoffen in den Blütenzellen entstehen unterschiedliche Farben. Wenn aber eine Biene Pollen von einer roten auf eine weiße Blüte bringt, dann kann aus dem Samen manchmal sogar eine Blume mit einer rosa Blüte entstehen. Die Menschen wissen das schon lange und haben so auch schon gezielt Blumenarten mit besonderen Blütenfarben gezüchtet. Eine besondere Züchtung ist zum Beispiel die "Queen of night" - eine schwarze Tulpe. Das Schwarz ist allerdings auch nicht ganz schwarz - wer genau hinsieht, der erkennt, dass die Blüte dunkelbraun oder dunkelrot ist.
Blumen bekommen keine Kinder so wie wir Menschen, Blumen vermehren sich durch den Flug ihrer Pollen. Die Pollen fliegen von der einen Blüte zur anderen und in der Blüte wächst dann ein Samen, aus dem eine neue Pflanze entstehen kann. Damit die Pollen leichter von einer Blüte zur anderen kommen können, helfen in der Natur viele Tiere mit.
Zum Beispiel die Bienen. Bienen können die Blumen, zu deren Blüten sie wollen, nicht nur sehen, sondern auch riechen. Sie fliegen dem Duft hinterher und finden so die Blumen, deren Nektar ihnen am besten schmeckt. Sie fliegen von einer Blüte zur anderen und sammeln so nicht nur ihre Nahrung, sondern verteilen dabei auch die Blütenpollen. Eine tolle Zusammenarbeit, denn die Bienen werden satt und die Pflanzen vermehren sich.
Duft oder Gestank?
Und nicht nur die Bienen helfen den Pflanzen bei der Vermehrung. Alle Tiere, die von Blüte zu Blüte fliegen, sorgen für die Verbreitung der Blütenpollen. Schmetterlinge, Nachtfalter und Fliegen, alle helfen mit. Hauptsache, sie riechen was.
Aber nicht alle Tiere mögen die gleichen Pflanzen. Bienen und Hummeln zum Beispiel lieben den süßen Duft der Rosen. Die Schmeißfliegen dagegen können mit Rosenduft gar nichts anfangen. Sie mögen es, wenn es stinkt. Kein Problem für den Aronstab, eine Pflanze mit weißer Blüte, kleinen, giftigen, roten Beeren und sagenhaftem Gestank. Der Geruch einer Pflanze dient also dazu, diejenigen Tiere anzulocken, die ihr bei der Vermehrung helfen.
Guter Geruch, schlechter Geschmack
Gute Gerüche müssen nicht immer auch gut schmecken. So ist das beim Lavendel. Lavendel duftet sehr intensiv. Bienen lieben Lavendel. Schafe dagegen hassen ihn, denn die Duftstoffe des Lavendels sind in dicken Tropfen oben auf der Blüte. Diese Tropfen riechen zwar toll, schmecken aber ziemlich scharf. Und Schafe essen nicht gern scharf, also dient der Geruch des Lavendels einerseits zum Anlocken der Bienen, andererseits ist er ein Schutz dagegen, aufgefressen zu werden.
Nachts wird am Duft gespart
Weil tagsüber meistens mehr Tiere im Blumenbeet fliegen als in der Nacht, duften die meisten Blumen tagsüber stärker. Viele Blumen schließen ihre Blütenkelche am Abend und behalten die Duftstoffe so in ihrem Inneren. Erst am nächsten Morgen, wenn die Sonne scheint, öffnen sie ihre Blüten wieder und der Duft kann sich ungehindert verbreiten.
Es gibt aber auch Pflanzen, die den Abend und die Nacht nutzen, um Tiere anzulocken. Die Nachtkerze zum Beispiel verbreitet ihre Duftstoffe abends. Deshalb kommen zu ihr auch die Nachtfalter und sorgen im Dunklen für die Verbreitung der Pflanzenpollen.
Silke Schmidt-Thrö und Börni Schulz
|
 |
|
|